Ein L A M P I O N, dieser ART, wird es n i e wieder geben.

Ich war auch ein Lampionese.

Meine “Stationen” im Prenzlauer Berg:

Dunckerstraße 76

Dunckerstraße 88

Schönhauser Allee 26

Schwedter Straße 30

Marienburger Straße 24

Raumerstraße 33

Hinter jeder einzelnen Adresse:

Einzig-ART-ige Geschichten. Erzählens-wert. Film-wert?!

Mein ehemaliger Kiez ist Geschichte.

Gerade deshalb:

Memento mori.

Trotz alledem: JA, das LAMPION war KULT!

“Lieber Klaus, ich grüße Dich!”

Lampion – C’est si bon

D 2001 – 85 Min. – DigiBeta (4:3) – Farbe
Regie, Buch: Günter Kotte. Kamera: Rainer M. Schulz. Ton: Gerd Jäkel. Regieassistenz: Renate Baum. Aufnahmeleitung: Nadine Lehmann. Schnitt: Karin Schöning, Ivo Weißmann. Tonmischung: Tom Korr.

Wir danken Edeltraut Bastian, Jochen Berg, Max Stock, Marlene, Manfred Nehls, Antonia, Manfred Graf Kiedorf und Gräfin, Heinz und Cornelia Brinkmann, Reinhard Kraetzer, Andreas Altenfelder, Peter Wawerzinek, Klaus Renft, Heike Stephan, Kuno, Pjotr, Schloussen, Delle, Heinz, Klaus Breuing, Regina, Charlotte, Peer Brüsseler, Armin Gröpler, Prisca Hausig-Gröpler, Rabea, Katja Lange-Müller, Sergej Gladkich, Wolfgang Thierse, Alexander, Rainer Raddatz, Jutta und Peter Voigt, Matthias Thalheim, Rainer Ahrendt, Katharina Ahrendt-Heller, Martin, Karl-Werner Plath, Hans-Otto Schmidt, Gerd Pieper, Hans Nübel, Carola, Kosta und Sonja, Manfred Machlitt, David aus Somalia, Cornelius Schulz, Gerd Schönfeld, Valentina Merkwirth, Jutta Arlt, Johannes Berger, Thomas Gehnich, Vladislav und allen anderen …

Eine Koproduktion von SFB und TNM, gefördert von der kulturellen Filmförderung Mecklenburg-Vorpommern. Produktionsleitung: Dieter Melzer (SFB), André Kotte (TNM). Redaktion: Jürgen Tomm (SFB).

Nach dem Fall der Mauer geschah in Prenzlauer Berg genau das, was man vor
dem Fall der Mauer in Kreuzberg befürchtet hatte: Eine durchgreifende Gentrifizierung
des Stadtteils samt einer nahezu vollständigen Verdrängung der
bisherigen Bevölkerung. Der Unterschied: Während im Kreuzberg der Achtziger
die drohende Umstrukturierung bekämpft wurde – und zwar teils sogar
militant –, vollzog sie sich im Prenzlauer Berg der Neunziger beinahe lautlos.
Auch Günter Kottes 2001 entstandene Dokumentation über den „Lampion“ in
der Knaackstraße ist ein eher leises, fast melancholisches Portrait dieser
Kneipe, ihrer Gäste und ihres Freundeskreises, zu dem auch Kotte selbst
gehörte. Entstanden war die Gaststätte nahe des Kollwitzplatzes, indem Kottes
Künstlerkollege Klaus Breuing seine Wohnung und Werkstatt 1991 umfunktioniert
hatte: zum Lokal, Treffpunkt, Schauplatz, nicht zuletzt auch zur Spielstätte
für seine eigene Puppenbühne – „Lampion“ hatte er bereits sein „Winziges
Wanderpuppentheater“ genannt, mit dem er durch die Lande zog.
„Lampion – C’est si bon“ ist ein anscheinend ganz einfach gemachter Film, der
sehr authentisch wirkt: Kotte hat Impressionen und Anekdoten gesammelt,
biographische Bruchstücke, Beobachtungen und Geschichten vom Künstlerleben
und Kneipenalltag. Da der Filmemacher vor allem mit alten Freunden
und Künstlerkollegen spricht, Bekannten aus den siebziger und achtziger
Jahren, die in der DDR blieben oder sie verließen und nach dem Mauerfall nach
Prenzlauer Berg zurückkehrten, entsteht unvermittelt eine Portraitskizze dieser
Szene (bzw. ihrer Weiterentwicklung) zur Zeit der Jahrtausendwende.
Unter ihnen sind manche, die Karriere gemacht haben (teils überraschende wie
Breuings Assistent Reinhard Kraetzer, der es bis zum letzten Bezirksbürgermeister
Prenzlauer Bergs brachte) und prominent wurden – so Andreas Altenfelder,
Jochen Berg, Armin Gröpler, Manfred Kiedorf, Katja Lange-Müller,
Klaus Renft, Max Stock, Matthias Thalheim oder Peter Wawerzinek. Durchweg
wirken sie allürenfrei und bodenständig, so unprätentiös wie dieser Film.
So schuf Günter Kotte mit „Lampion – C’est si bon“ nicht nur ein Werk, dessen
kunst-, kultur- und stadtgeschichtliche Bedeutung vermutlich erst in einigen
Jahrzehnten vollständig erkannt werden wird. Es macht auch, heute schon,
deutlich, was Berlin durch die fortschreitende Gentrifizierung zu verlieren
droht. Der „Lampion“ gehört nicht mehr dazu: Er mußte, nach einem Wechsel
des Hauseigentümers, im Mai 2003 schließen.


KWP


DAS LAMPION – EIN KULTUR-DOKUMENT DER ZEIT-GESCHICHTE.

DIE DOKU – GESCHICHTEN ZUM LACHEN, ZUM WEINEN, ZUM STAUNEN, ZUM STIRNRUNZELN, ZUM ABWINKEN, ZUM AUGENVERDREHEN – SEHENS-WERT!