Federico García Lorca

Gacela der überraschenden Liebe

Niemand begriff den dunklen Magnolien-
duft deines Bauches.
Niemand wußte, daß du zwischen den Zähnen
einen Kolibri der Liebe zu Tode quältest.

Tausend persische Pferdchen schliefen
auf dem Platz im Mondlicht deiner Stirn,
während ich vier Nächte lang deine
Taille, Feindin des Schnees, umschlungen hielt.

Zwischen Gips und Jasmin war dein Blick
ein blasser Zweig mit Samen.
Ich suchte, als Gabe für dich, in meiner Brust
die Elfenbeinbuchstaben, die ewig, ewig,

ewig bedeuten: Garten meiner Qual,
dein Körper für immer flüchtig,
das Blut aus deinen Adern in meinem Mund,
dein Mund schon lichtlos zu meinem Tode.

Gacela del amor imprevisto

Gacela der verzweifelten Liebe

Die Nacht will nicht kommen,
damit du nicht kommen kannst
und ich nicht gehen kann.

Aber ich werde gehen,
auch wenn eine Skorpionsonne mir die Schläfe auffrißt.

Aber du wirst kommen
mit deiner vom Salzregen verbrannten Zunge.

Der Tag will nicht kommen,
damit du nicht kommen kannst
und ich nicht gehen kann.

Aber ich werde gehen
und meine zerbissene Nelke den Kröten überlassen.

Aber du wirst kommen
durch die trübe Kloake der Dunkelheit hindurch.

Weder Nacht noch Tag wollen kommen,
damit ich für dich sterbe
und du für mich stirbst.

Gacela del amor desesperado


Lorca
: Gestorben am 19. August 1936.


Expressiv.


KUNST-voll.

Hier: Wenn sich KUNST vor KUNST verneigt.

Memento mori. Gedenke des Todes.

Verstanden. Un-Verstanden?