Der
Geburtstag meines Bruders.

Karl
Werner Plath.

Alias James. Alias Wernerle. Alias Carlos. Alias Graf Leitmeritz.

Sein
Nachlaß: Ein schwarzer Koffer. Voller beschriebener Papiere.

Mit
besonders vielen Nach-Dichtungen von Shakespeare-Sonetten.

Die
hatten´s ihm angetan.

Wegen ihrer Kraft

Und Zeitlosigkeit.

Die
sollen NACH-DENK-LICH machen.

Die sind eine
Handlungsaufforderung.

Die sind Vermächtnis.

Mein
Bruder starb 2008 in Berlin.


Ein Hörbuch ist in Vorbereitung.

William
Shakespaere

Sonett 66

Ich hab es satt. Wär ich ein
toter Mann.
Wenn Würde schon zur Bettelei geborn
Und
Nichtigkeit sich ausstaffieren kann
Und jegliches Vertrauen ist
verlorn
Und Rang und Name Fähigkeit entbehrt
Und Fraun
vergebens sich der Männer wehren
Und wenn der Könner Knadenbrot
verzehrt
Und Duldende nicht aufbegehren
Und Kunst gegängelt
von der Obrigkeit
Und Akademiker erklärn den Sinn
Und simples
Zeug tritt man gelehrsam breit
Und Gut und Böse biegt sich jeder
hin
Ich habe es satt. Ich möchte wegsein, bloß:
Noch liebe
ich. Und das läßt mich nicht los.

Deutsche Fassung
Karl
Werner Plath

William Shakespeare

Sonett 123

Nein! Zeit, bild dir nicht ein, ich ändre mich:
Richt Pyramiden auf mit heutger Macht,
Nicht fremd für mich und nicht verwunderlich;
Doch bloß Kulissen, vormals ausgedacht.
Das Datum eilt, so kommts, daß wir bestaunen
Was du uns unterjubeln willst als alt;
Als wäre alles nur gemacht für unsre Launen,
Die ganze Wahrheit kommt ans Licht alsbald.
Ich fordre Dich und mit dir dein Archiv,
Mich schreckt nicht mehr, was alles noch geschieht;
Wir können sehn, trotz deinem Lehrbuichmief,
Die immergleiche Leier ist dein Lied.

Dafür mein Wort, ich halts, verlaß dich drauf,
Wahr bleib ich selbst, mich hält kein Messer auf.

Deutsche Fassung
Karl Werner Plath

William Shakespeare

Sonett 49

Zu jener Zeit, wann immer sie wird sein,
Da ich dich werd mein Schwachsein tadeln sehn,
Dein Leben bracht dir größten Nutzen ein,
Die Inventur wird rücksichtsvoll geschehn;
Zu jener Zeit, wo du dich fremd mir gibst,
Kaum noch gegrüßt von Deiner Augen Glanz,
Und wie gewandelt du dann anders liebst,
Zum Wohlgefallen höherer Instanz;
Zu jener Zeit bin ich von Fesseln frei,
mein eigner Wert im Innern mir bewußt,
Und leg ich selber Hand an mich dabei,
Ich schütz ein Recht, das Du vertreten mußt.

Kraft der Gesetze laß mich fallen, und
Seit ich nun weiß, lieb ich dich ohne Grund.

Deutsche Fassung
Karl Werner Plath

O-TON1